erfahren sie alles wichtige zur betriebsanleitung nach maschinenrichtlinie: pflichtinhalte, aufbau und gesetzliche vorgaben für sichere maschinenbedienung.

Betriebsanleitung nach Maschinenrichtlinie: Pflichtinhalte und Aufbau

  • Die Betriebsanleitung ist nach Maschinenrichtlinie ein zentrales Sicherheits- und Haftungsdokument, das über den gesamten Lebenszyklus der Maschine wirkt.
  • Pflichtinhalte betreffen nicht nur die Bedienungsanleitung, sondern auch Sicherheitsinformationen, Gefahrenhinweise, Technische Daten, Transport, Montage und Instandhaltung.
  • Ein klarer Aufbau reduziert Fehlbedienungen, erleichtert Unterweisungen und unterstützt die Konformitätserklärung sowie die technische Dokumentation.
  • Praxisnah wird es, wenn Warnstufen, Zielgruppen, Aufgaben und Restgefahren konsequent zusammengeführt und mit Beispielen ergänzt werden.
  • Mehrsprachigkeit, Versionierung und Updates sind organisatorische Kernfragen, weil Änderungen an Software, Schutzmaßnahmen oder Einsatzbedingungen die Inhalte beeinflussen.

Wer Maschinen baut oder in Verkehr bringt, liefert nicht nur ein Produkt, sondern auch Wissen: Wie wird sicher montiert, betrieben, gereinigt und instand gehalten? Genau an dieser Stelle wird die Betriebsanleitung zur verbindlichen Brücke zwischen Konstruktion und Realität in der Werkhalle. Gleichzeitig ist sie ein Dokument, das im Streitfall gelesen wird: von Sicherheitsfachkräften, von Aufsichtsbehörden und von Juristen. Deshalb entscheidet nicht allein der technische Inhalt, sondern auch die Struktur, Sprache und Nachvollziehbarkeit. Eine gut gemachte Bedienungsanleitung ist dabei mehr als ein Handbuch, denn sie muss Sicherheitsinformationen und Gefahrenhinweise so platzieren, dass sie im Arbeitsalltag wirklich wirken.

Der Blick auf die Maschinenrichtlinie zeigt außerdem, dass Pflichtinhalte nicht „nice to have“ sind. Sie bestimmen, ob eine Maschine bestimmungsgemäß verwendet werden kann, ob Restgefahren transparent bleiben und ob die Konformitätserklärung im Kontext der Gesamtunterlagen stimmig ist. In der Praxis hilft ein sauberer Aufbau, weil er Montagefirmen, Betreiber und Instandhaltungsteams schnell zu den richtigen Schritten führt. Damit wird das Dokument zu einem Werkzeug der Risikoreduzierung und zugleich zu einem Hebel für effiziente Kommunikation im Unternehmen.

Sommaire :

Betriebsanleitung nach Maschinenrichtlinie: rechtlicher Rahmen und praktische Bedeutung

Die Maschinenrichtlinie verknüpft Produktanforderungen mit Informationspflichten, daher steht die Betriebsanleitung im Zentrum der Betreiberkommunikation. Für Hersteller, Importeure oder Integratoren entsteht eine klare Erwartung: Informationen müssen so bereitgestellt werden, dass die Maschine über ihren Lebenszyklus sicher genutzt werden kann. Gleichzeitig geht es um Nachweisbarkeit, denn die Anleitung ist Teil des Gesamtpakets rund um CE-Kennzeichnung und Konformitätserklärung. Wer hier schludert, riskiert Rückfragen im Audit, Beanstandungen durch Marktüberwachung oder Reibungsverluste beim Kunden.

In der Praxis wird die Betriebsanleitung oft zu spät gedacht, dennoch startet Qualität bereits in der Konzeptphase. Sobald Funktionen, Schutzkonzepte und Benutzerrollen definiert sind, sollten Inhalte parallel entstehen. So lassen sich Sicherheitsinformationen früh in den Entwicklungsprozess integrieren, statt sie am Ende „hinzuzuschreiben“. Außerdem werden so Inkonsistenzen zwischen Technische Daten, Schaltplänen, Softwareständen und realer Ausführung reduziert.

Beispiel aus der Fertigung: Verpackungslinie mit wechselnden Produktformaten

Eine mittelständische Firma, die hier „Nordwerk Automation“ heißen soll, liefert eine Verpackungslinie an einen Lebensmittelbetrieb. Die Linie verarbeitet unterschiedliche Kartongrößen, deshalb werden Formatteile häufig umgerüstet. Genau dadurch entsteht eine typische Grauzone: Was ist Bedienung, was ist Instandhaltung, und wo beginnt eine gefährliche Tätigkeit? Eine saubere Bedienungsanleitung beschreibt daher Umrüstschritte in einer klaren Abfolge, benennt Werkzeuge und legt fest, wann Lockout/Tagout anzuwenden ist. Zudem wird beschrieben, welche Schutzhauben für Umrüstungen geöffnet werden dürfen und welche nicht.

Besonders wirksam sind hier konkrete Gefahrenhinweise: Quetschstellen an Einzugwalzen, Schnittgefahr an Folienmessern und unerwartetes Anlaufen durch Automatiksequenzen. Deshalb sollte die Anleitung nicht nur warnen, sondern auch erklären, welche technische Schutzmaßnahme vorhanden ist und welche organisatorische Regel sie ergänzt. Damit wird die Restgefahr verständlich, statt nur formal erwähnt zu werden.

Abgrenzung: Betriebsanleitung, Unterweisung, Betriebsanweisung

Häufig werden Dokumente vermischt, jedoch erfüllen sie unterschiedliche Zwecke. Die Betriebsanleitung ist herstellerseitig und maschinenspezifisch. Eine betriebliche Unterweisung übersetzt diese Inhalte in lokale Abläufe, Schichtmodelle und Qualifikationsstufen. Eine Betriebsanweisung des Arbeitgebers ergänzt darüber hinaus standortspezifische Regeln, etwa PSA, Freigabeprozesse oder Zuständigkeiten.

Diese Abgrenzung hilft, weil die Maschinenrichtlinie Pflichtinhalte klar beim Hersteller verortet. Gleichzeitig sollte die Anleitung so gestaltet sein, dass sie Unterweisungen erleichtert. Gute Gliederung, eindeutige Begriffe und konsistente Warnlogik zahlen daher doppelt ein.

Pflichtinhalte der Betriebsanleitung: von Sicherheitsinformationen bis Technische Daten

Pflichtinhalte ergeben sich aus den Anforderungen der Maschinenrichtlinie und aus dem Anspruch, sichere Verwendung realistisch zu ermöglichen. Deshalb muss das Dokument sowohl den Normalbetrieb als auch vorhersehbare Fehlanwendungen adressieren. Zudem ist entscheidend, dass Informationen auffindbar sind, weil eine Anleitung im Stressmoment anders gelesen wird als am Schreibtisch. Wer etwa eine Störung beseitigt, sucht nicht „allgemeine Hinweise“, sondern konkrete Schritte, Sperrungen und Prüfpunkte.

Ein robuster Ansatz trennt Inhalte nach Lebensphasen: Transport, Montage, Inbetriebnahme, Betrieb, Störung, Reinigung, Instandhaltung, Außerbetriebnahme und Entsorgung. Dadurch werden Risiken entlang des tatsächlichen Arbeitsflusses sichtbar. Außerdem erleichtert diese Struktur die Pflege, wenn später ein Retrofit oder Softwareupdate erfolgt.

Kernbausteine: Identifikation, Zweck, Grenzen

Am Anfang stehen eindeutige Identifikationsangaben: Maschinenbezeichnung, Typ, Seriennummer, Baujahr, Herstelleradresse sowie relevante Varianten. Außerdem sollte die bestimmungsgemäße Verwendung präzise beschrieben werden. Dazu gehören Materialgrenzen, Umgebungsbedingungen und zulässige Betriebsarten. Ebenso wichtig sind klare Aussagen zu nicht bestimmungsgemäßer Verwendung, weil daraus typische Restgefahren entstehen.

Ein Beispiel: Eine Dosieranlage darf nur Medien mit definierter Viskosität fördern. Wenn Betreiber dennoch Lösungsmittel einsetzen, können Dichtungen quellen und Leckagen entstehen. Hier sollte die Anleitung nicht nur verbieten, sondern auch die Folge erklären. Dadurch wird Compliance im Alltag wahrscheinlicher.

Sicherheitsinformationen und Gefahrenhinweise: Systematik statt Warntext-Wand

Sicherheitsinformationen wirken nur, wenn sie konsistent sind. Deshalb sollte eine einheitliche Warnhierarchie genutzt werden, etwa mit klaren Warnstufen und wiederkehrenden Gestaltungselementen. Gefahrenhinweise benötigen außerdem Kontext: Wo tritt die Gefahr auf, wann entsteht sie, welche Maßnahmen verhindern den Schaden, und welche Restgefahr bleibt trotz Schutzmaßnahmen bestehen?

Praxisnah ist eine Kombination aus allgemeinen Sicherheitsregeln und aufgabenspezifischen Warnungen direkt am Prozessschritt. So wird beispielsweise beim „Wechsel der Messerleiste“ unmittelbar auf Schnittschutz, Stillsetzen und Prüfen der Energiezustände verwiesen. Dadurch wird das Risiko reduziert, dass Warnungen überlesen werden.

Technische Daten, Schnittstellen und Grenzen der Leistung

Technische Daten müssen vollständig und prüfbar sein, daher gehören Angaben zu elektrischen Anschlusswerten, Druckluft, Hydraulik, Leistungsaufnahme, Schutzarten, Geräuschemissionen und ggf. Emissionen in definierter Form dazu. Zudem sind Abmessungen, Massen, Lastdaten und Aufstellflächen relevant. Betreiber benötigen diese Informationen für Fundamentplanung, Transport und sichere Integration in Linien.

Ebenso wichtig sind Schnittstellen: Feldbus, E/A, Sicherheitsfunktionen, sichere Drehzahl, Not-Halt-Kreise und Softwarestände. Wenn diese Punkte fehlen, entstehen Integrationsfehler. Folglich steigt das Risiko von Umgehungen, etwa wenn Sicherheitskreise „provisorisch“ gebrückt werden.

Pflichtinhalt Typischer Nutzen in der Praxis Häufiger Fehler
Bestimmungsgemäße Verwendung Klare Grenzen für Betrieb und Prozessparameter Zu allgemein, ohne konkrete Beispiele
Sicherheitsinformationen Unterweisung, Verhalten bei Störung, PSA Warnungen ohne Handlungsanweisung
Gefahrenhinweise am Arbeitsschritt Reduziert Fehlbedienung in Stresssituationen Nur im Kapitel „Sicherheit“ gesammelt
Technische Daten Planung, Integration, Abnahme Werte ohne Messbedingung oder Version
Instandhaltung Verfügbarkeit, Ersatzteile, sichere Wartung Unklare Intervalle oder fehlende Qualifikation

Als nächster Schritt wird entscheidend, wie diese Pflichtinhalte in einen Aufbau gegossen werden, der unter Zeitdruck funktioniert und trotzdem juristisch belastbar bleibt.

Aufbau einer normnahen Bedienungsanleitung: Leselogik, Rollen und Lebenszyklus

Der Aufbau entscheidet darüber, ob Inhalte gefunden und umgesetzt werden. Deshalb lohnt es sich, die Lesergruppen zuerst zu definieren: Bediener, Einrichter, Instandhalter, Reinigungspersonal, Elektrofachkräfte und externe Monteure. Jede Rolle hat eigene Aufgaben, daher sollten Kapitel so gegliedert sein, dass Verantwortlichkeiten sichtbar werden. Außerdem sinkt die Gefahr, dass unqualifizierte Personen in Wartungsbereiche geraten, wenn Qualifikationsanforderungen pro Tätigkeit klar benannt sind.

Ein bewährtes Prinzip ist die Kombination aus Prozesslogik und Aufgabenlogik. Prozesslogik folgt dem Lebenszyklus, während Aufgabenlogik die häufigsten Tätigkeiten bündelt, etwa „Formatwechsel“, „Reinigung“, „Störung beheben“. Dadurch wird das Dokument sowohl für Erstinbetriebnahme als auch für den Alltag brauchbar.

Kapitelreihenfolge, die im Betrieb funktioniert

Eine klare Reihenfolge beginnt mit Identifikation, Sicherheit und Grundbeschreibung, jedoch sollte danach schnell Handlungswissen folgen. Anwender wollen wissen: Wie wird gestartet, wie wird gestoppt, was ist im Notfall zu tun? Daher sind kurze Quick-Checks am Beginn einzelner Kapitel sinnvoll, solange sie nicht den Hauptinhalt ersetzen.

Für eine Verpackungsanlage kann etwa ein Ablauf „Starten im Automatikbetrieb“ beschrieben werden: Sichtprüfung, Schutzhauben, Energieversorgung, Referenzfahrt, Produktfreigabe. Anschließend folgen Parametergrenzen und typische Fehlermeldungen. Dadurch wird der Transfer in Schicht-Checklisten erleichtert.

Warnkonzept, Piktogramme und Sprache

Warnungen brauchen ein konsistentes Muster. Deshalb sollten Signalwörter, Piktogramme und Handlungssätze immer gleich aufgebaut sein. Ebenso wichtig ist eine Sprache, die kurz bleibt und Verben nutzt. Statt „Es ist darauf zu achten, dass…“ wirkt „Prüfen, ob…“ deutlich klarer. Zudem wird die Übersetzbarkeit besser, wenn Sätze nicht verschachtelt sind.

Rhetorisch lohnt eine Frage an der richtigen Stelle: Was passiert, wenn eine Störung genau während des automatischen Wiederanlaufs behoben werden soll? Solche Situationen sollten im Aufbau gespiegelt werden, etwa durch ein eigenes Kapitel „Störungsbeseitigung und Wiederanlauf“, das Sperrprozesse, Testläufe und Freigaben beschreibt.

Verweise, Versionsmanagement und digitale Bereitstellung

In modernen Projekten ändern sich Softwarestände, Sensorik oder Sicherheitsbausteine, daher muss Versionierung nachvollziehbar sein. Dazu gehören Änderungslisten, eindeutige Dokumentnummern und ein Abgleich mit der Konformitätserklärung. Außerdem sollte klar sein, welche Version dem ausgelieferten Stand entspricht.

Digitale Bereitstellung gewinnt an Bedeutung, weil Betreiber Dokumente in Instandhaltungssysteme einspielen. Dennoch bleibt die Frage, wie am Einsatzort auf relevante Sicherheitsinformationen zugegriffen wird, wenn Netzwerke ausfallen. Ein hybrider Ansatz ist deshalb verbreitet: Papier oder lokaler Offline-Zugriff plus digitales Portal für Updates und Ersatzteillisten.

Sicherheitsinformationen und Gefahrenhinweise im Detail: Restgefahren, Schutzmaßnahmen, Notfälle

Sicherheitsinformationen sind dann stark, wenn sie an der Realität der Arbeit ausgerichtet sind. Deshalb sollte jede relevante Gefahr aus der Risikobeurteilung in der Betriebsanleitung wiederzufinden sein, inklusive der verbleibenden Restgefahren. Zudem muss klar werden, welche Schutzmaßnahmen technisch umgesetzt wurden und welche organisatorischen Regeln ergänzend gelten. Dadurch wird nachvollziehbar, warum bestimmte Schritte zwingend sind.

Ein häufiger Praxisfall sind Umgehungen: Wenn ein Prozess „zu lange dauert“, wird eine Schutztür überbrückt. Genau hier hilft eine Anleitung, die Ursachen adressiert. Wenn etwa ein Nachlauf durch hohe Trägheit entsteht, sollte der Zusammenhang erklärt und die sichere Wartezeit begründet werden. Folglich sinkt die Bereitschaft, Regeln als „willkürlich“ abzutun.

Restgefahren sauber dokumentieren und verständlich machen

Restgefahren sind nicht automatisch ein Makel, jedoch müssen sie transparent sein. Dazu gehört eine klare Zuordnung: Gefahrstelle, Gefährdungsart, Situation, mögliche Folgen und Maßnahmen. Außerdem sollte angegeben werden, ob PSA erforderlich ist und welche Qualifikation nötig ist. Bei Lärm kann beispielsweise ein konkreter Schalldruckpegel mit Messbedingungen stehen, damit Betreiber Gehörschutz korrekt planen.

Für „Nordwerk Automation“ kann eine Restgefahr beim Formatwechsel auftreten: Quetschgefahr zwischen beweglicher Führung und Rahmen beim Verfahren per Handrad. Die Anleitung kann hier eine einfache Maßnahme verankern: Handrad nur bei stillgesetzter Achse nutzen, zusätzlich Sichtkontakt zur Führung halten, Finger nicht in die Spaltzone bringen. Das ist banal, wirkt aber, weil es konkret bleibt.

Notfallkonzept: Not-Halt, Evakuierung, Brand und Medienaustritt

Notfälle sind selten, daher muss die Information besonders zugänglich sein. Ein Abschnitt sollte Not-Halt-Funktionen erklären, inklusive Verhalten nach Auslösung, Reset-Prozess und Freigabeschritte. Außerdem sind Hinweise zu Brandlasten, Schmierstoffen oder Prozessmedien wichtig. Bei pneumatischen Systemen sollten Maßnahmen bei Schlauchabriss genannt werden, weil Druckluft Unfälle verschärfen kann.

Ebenso sollten klare Anweisungen zur Erstreaktion bei Personenschaden stehen: Maschine sicher stillsetzen, Energiequellen sichern, Rettungskette aktivieren. Dabei hilft eine einfache Reihenfolge, die im Ernstfall abrufbar bleibt. Dennoch muss dieser Teil im Gesamtdokument eingebettet sein, damit er nicht wie ein Fremdkörper wirkt.

Konkrete Liste: Inhalte, die im Sicherheitskapitel oft fehlen

  • Hinweise zu vorhersehbarer Fehlanwendung, etwa „Reinigen bei laufender Maschine“ und warum das passiert.
  • Angaben zu Restrisiken nach dem Öffnen von Schutzhauben, zum Beispiel gespeicherte Energie in Federn oder Kondensatoren.
  • Klare Kriterien für „Maschine spannungsfrei“, inklusive Prüfung und Wartezeiten.
  • Regeln für Arbeiten mit zwei Personen, etwa bei schweren Formatmodulen oder Einfädelarbeiten.
  • Grenzen der Wirksamkeit von Schutzeinrichtungen, zum Beispiel bei Manipulation oder falscher Montage.

Damit Sicherheitsinformationen nicht isoliert bleiben, führt der nächste Themenblock in die operative Seite: Instandhaltung, Prüfungen und Ersatzteilstrategie als Teil der Pflichtkommunikation.

Instandhaltung, Prüfungen und Dokumentation: Lebensdauer sichern und Haftungsrisiken senken

Instandhaltung ist ein Pflichtkapitel mit großer Wirkung, weil viele Unfälle bei Wartungsarbeiten passieren. Daher sollte die Anleitung nicht nur Intervalle nennen, sondern auch sichere Arbeitsabläufe beschreiben. Zudem braucht es klare Abgrenzungen zwischen Bedienerwartung und Fachwartung. Wenn Aufgaben wie „Schmieren“ oder „Filterwechsel“ unpräzise bleiben, werden sie entweder nicht gemacht oder unsicher durchgeführt.

Ein guter Ansatz arbeitet mit drei Ebenen: tägliche Checks, periodische Wartung und zustandsorientierte Maßnahmen. Außerdem sollten Prüfungen von Sicherheitseinrichtungen beschrieben werden, etwa Funktionstests von Lichtgittern, Türzuhaltungen oder Zweihandbedienungen. Dabei ist wichtig, dass Testbedingungen und erwartete Ergebnisse eindeutig sind, weil sonst „Abhaken“ ohne Prüfung entsteht.

Wartungspläne, Ersatzteile und Qualifikationen

Ein Wartungsplan profitiert von klaren Tabellen, trotzdem sollte er nicht allein stehen. Ergänzend braucht es Schritt-für-Schritt-Anweisungen mit Sperrmaßnahmen, Werkzeugen und Drehmomenten, soweit relevant. Ebenso gehören Schmierstoffspezifikationen und Entsorgungshinweise dazu, weil falsche Mittel Dichtungen oder Lager schädigen können. Zudem sollten Ersatzteilgruppen so beschrieben sein, dass Verwechslungen verhindert werden.

Ein praktisches Beispiel: Beim Austausch einer Sicherheitszuhaltung ist nicht nur die Mechanik relevant. Zusätzlich muss die Diagnosefunktion im Steuerungssystem geprüft werden, weil sonst eine Fehlermeldung dauerhaft ansteht oder Sicherheitsfunktionen nicht korrekt wirken. Daher sollte die Anleitung nach dem Austausch einen Verifikationstest beschreiben, inklusive Dokumentation im Wartungsprotokoll.

Dokumentationskette: von Instandhaltung zur Konformitätserklärung

Die Konformitätserklärung ist kein Ersatz für technische Inhalte, jedoch hängt ihre Glaubwürdigkeit am Gesamtpaket. Wenn Wartungsprozesse fehlen, wird die sichere Verwendung fraglich. Deshalb sollte die Betriebsanleitung auf relevante Dokumente verweisen, etwa Schaltpläne, Pneumatikpläne, Parameterlisten oder Software-Releases. Gleichzeitig muss klar sein, welche Dokumente für Betreiber zugänglich sind und welche intern bleiben.

Für Betreiber ist außerdem entscheidend, Änderungen zu steuern. Wenn etwa nachträglich ein neues Rezepturmodul installiert wird, können neue Gefahren entstehen. Folglich sollte die Anleitung Kriterien für Umbauten nennen: Was gilt als zulässige Anpassung, wann ist der Hersteller zu kontaktieren, wann ist eine erneute Bewertung nötig?

Praxisfall: Retrofit in laufender Produktion

Bei „Nordwerk Automation“ wird nach zwei Jahren ein Retrofit umgesetzt, weil Energieverbrauch sinken soll. Der Betreiber tauscht Antriebe aus und aktualisiert die Steuerungssoftware. Dabei ändern sich Hochlaufzeiten und Diagnosetexte. Genau deshalb muss die Betriebsanleitung aktualisiert werden, inklusive Technische Daten, Gefahrenhinweise und Testverfahren für Sicherheitsfunktionen.

Wird das nicht getan, entstehen stille Risiken: Ein Instandhalter folgt alten Zeiten und öffnet eine Schutztür zu früh. Deshalb gehört zu jeder Änderung ein Prozess: Dokumente aktualisieren, Version freigeben, Unterweisungen nachziehen. Das ist weniger Bürokratie als eine Absicherung der täglichen Praxis.

Welche Pflichtinhalte müssen in einer Betriebsanleitung nach Maschinenrichtlinie besonders sichtbar sein?

Besonders sichtbar sollten Sicherheitsinformationen, Gefahrenhinweise am jeweiligen Arbeitsschritt, Angaben zur bestimmungsgemäßen Verwendung, Technische Daten sowie klare Anweisungen für Instandhaltung und Störungsbeseitigung sein. Zusätzlich sollten Anforderungen an Qualifikation und PSA pro Tätigkeit eindeutig benannt werden, damit Rollen im Betrieb sauber abgegrenzt bleiben.

Wie hängt die Betriebsanleitung mit der Konformitätserklärung zusammen?

Die Konformitätserklärung bestätigt die Erfüllung einschlägiger Anforderungen, während die Betriebsanleitung die sichere Verwendung konkret ermöglicht. Inhaltliche Widersprüche, fehlende Versionierung oder unklare Angaben zu Sicherheitsfunktionen können die Nachvollziehbarkeit des Gesamtpakets schwächen. Daher sollten Dokumentstände, Varianten und technische Parameter zwischen Anleitung, technischer Dokumentation und Konformitätserklärung konsistent sein.

Wie sollten Gefahrenhinweise formuliert werden, damit sie im Alltag wirken?

Gefahrenhinweise wirken, wenn sie kurz, konsistent und handlungsorientiert sind. Sinnvoll ist eine Struktur aus Situation (wann/wo), Gefahr (was), Folge (wodurch) und Maßnahme (wie vermeiden). Außerdem sollten Warnungen dort stehen, wo die Handlung passiert, statt nur gesammelt im Sicherheitskapitel.

Was gehört in das Kapitel Instandhaltung, damit es audit- und praxisfest ist?

Neben Intervallen gehören sichere Arbeitsabläufe mit Sperrmaßnahmen, Werkzeugen, Prüfschritten und Akzeptanzkriterien hinein. Zudem sollten Ersatzteile, Schmierstoffe, Drehmomente und Qualifikationsanforderungen genannt werden. Wichtig ist außerdem ein Verifikationsverfahren für sicherheitsrelevante Komponenten, damit nach Austausch oder Retrofit die Schutzfunktionen nachweislich korrekt arbeiten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

drei × zwei =

Nach oben scrollen
Medienagentur Ratgeber
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.